Leseprobe: Das Winterbottom House Geheimnis

Eine kleine Leseprobe möchte ich euch heute nicht vorenthalten.

Winterbottom House

„Meine Herren“, begrüßte Aldwyn Phil und Baker. „Hat Ihnen die Übergabe von Miss Bails Box geholfen?“

„Aldwyn, sie war der Schlüssel zur raschen Aufklärung!“, sagte Baker gut gelaunt und nahm Aldwyn kumpelhaft am Oberarm.

„Das ist gut!“, lächelte Aldwyn das erste Mal. Er ging vor und fragte, als wüsste er, was weiter geschehen würde: „Sie möchten Mr. Andrew Gordon sprechen, nehme ich an? Sie möchten in der Bibliothek auf ihn warten?“

„Jawohl – Aldwyn, das haben Sie richtig erkannt! … Bibliothek … gute Idee! Wir kennen bereits den Weg“, war Baker in absoluter Siegerstimmung. „Und diesmal greifen Sie nichts an und lösen auf keinen Fall den Alarm aus“, flüsterte er Phil zu und grinste schelmisch übers ganze Gesicht.

„Die Aufklärung dieses Falles scheint Ihnen gutzutun, Baker“, nahm Phil Bakers Bemerkung mit dem nötigen Humor.

Die beiden gingen gemächlich zur Bibliothek, als ihnen Andrew Gordon schon von der Treppe zurief: „Oh, DCI Baker! Dr. Shawn! Sie haben den Täter?“

„Ja, Mr. Gordon! Deswegen sind wir hier“, antwortete Baker und log mit seiner Antwort nicht einmal.

Andrew Gordon kam, wie immer mit einer Hand in der Hosentasche, locker die Treppe hinunter und ging mit den beiden in die Bibliothek. Er nahm sich ein Glas Whisky und ließ sich lässig in den Ledersessel fallen.

„Er sei ihm gegönnt, der letzte Whisky – wohlgemerkt aus eigener Destillerie, wie er uns doch so schön erklärte – für die nächsten dreißig Jahre“, dachte sich Phil und nickte Andrew Gordon für ein „Wohl bekomm´s“ zu.

„Nun meine Herren, was gibt es zu berichten“, fragte Gordon arrogant und strich dabei über sein gegeltes Haar.

„Mr. Gordon! … Wo soll ich anfangen. Wir mussten leider Ihren Freund Richard Boyle festnehmen!“, sagte Baker, als wäre er tief betroffen, Gordon diese erschütternde Nachricht überbringen zu müssen.

„Nein, das kann ich nicht glauben!“, sprang Andrew Gordon entrüstet, wahrlich oscarreif auf. Er griff sich, als wäre er verzweifelt, dass das die Wahrheit sein sollte, an den Kopf und schüttelte ihn ungläubig.

„Sehen Sie Mr. Gordon, da geht es uns ebenso wie Ihnen. Wir glauben ebenfalls nicht, dass Mr. Boyle Ihre Großtante und Elaine Bail ermordet hat“, gab Phil, der wissend zu Baker grinte, Gordon recht.

Gordon schaute Baker und Phil irritiert an. Phil und Baker merkten, dass ihm in diesem Moment tausend Gedanken durch den Kopf rasten. Er ging zur Bar und schenkte sich den nächsten Whisky ein.

„Also … war er es doch nicht! Das freut mich zu hören – sehr sogar. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Richard ein Mörder sein soll“, versuchte Gordon, ruhig zu wirken.

„Er kann es nicht gewesen sein, Mr. Gordon, weil Sie es waren“, stellte Baker nüchtern fest und fixierte Gordon mit seinem Blick.

„Haaaa, haaahaaa … das kann nicht sein! Ich habe ein Alibi – schon vergessen?“, amüsierte sich Gordon und lachte gekünstelt.

„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Richard Boyle weiterhin für Sie lügt, wenn Sie ihm einen Doppelmord in die Schuhe schieben wollen?“, sagte Phil mit diesem besonderen psychologischen Unterton, der Baker im Normalfall rasend machte. Diesmal aber, fand er ihn mehr als angebracht und passend.

„Ach so läuft der Hase! Ja, das glaube ich, dass er mein Alibi nicht mehr bestätigt, wenn er mir“, betonte Gordon seine eigene Person ganz besonders, „einen Doppelmord in die Schuhe schieben möchte. Anne bestätigt mein Alibi mit 18.00 Uhr. Um diese Zeit ist doch der Mord an meiner Großtante passiert, oder?“, zeigte sich Andrew Gordon bestürzt von dem Vorwurf und nahm einen kräftigen Schluck Whisky.

„Ich muss Sie bezüglich der Zeit und des Alibis enttäuschen, Mr. Gordon! Da Sie besonders unfreundlich zu jener jungen Dame waren, die an diesem Abend im „Moon & Sixpence“ arbeitete, konnte sie sich genau an Sie erinnern“, rückte Baker mit dieser Information, die auch für Phil überraschend plötzlich im Raum stand, heraus.

„Brooks“, wisperte Baker zu Phil, damit dieser im Bilde war, wie Baker zu der Aussage der Kellnerin gekommen was. Phil nickte und konzentrierte sich wieder ganz auf Gordon.

„Klar! Die Kellnerinnen im „Moon & Sixpence“ schauen bei jedem Gast auf die Uhr, wann er kommt. … und am besten auch noch, um welche Uhrzeit die Gäste das Lokal verlassen. Das wird nahezu abenteuerlich, was Sie mir hier auftischen möchten, Detective Chief Inspector Baker“, belächelte Andrew Gordon die Zeugenaussage und gleichzeitig Baker.

„Seltsam, dass Sie es erheiternd finden, wenn Sie des Mordes beschuldigt werden? Sie müssen sich doch selbst gut daran erinnern. Sie wollten unbedingt einen Tisch, der bereits für 18.15 Uhr reserviert war. Deswegen schaute die Kellnerin auf die Uhr, um Ihnen zu zeigen, dass es keinen Sinn mehr machen würde, Ihnen diesen Tisch anzubieten. Es war 18.10 Uhr, als Sie mit der Kellnerin wegen Uhrzeit gestritten haben. Da Sie dementsprechend unangenehm auf die junge Dame reagierten, blieben Sie ihr in Erinnerung“, fuhr Baker ruhig fort.

Den 3. Fall gleich bestellen: Das Winterbottom House Geheimnis